Kultur in Winterthur, Teil 3

Die vergangenen Monate wurden von Corona beherrscht, in der Arbeitswelt, im Studium, im Alltag. Auch die Kultur wurde davon keineswegs verschont. Anlässe wurden verschoben oder ganz abgesagt. Francisco «Chico» Heubeck, ein Winterthurer der seit Jahren in der Kulturszene aktiv ist, erzählt im dritten und letzten Teil der Rückblick-Reihe über Kultur und Lockdown von seiner Situation.

Chico, wie bist du kulturell aktiv?
Ich komme aus Winterthur und bin kulturell sehr aktiv. Ich beteilige mich mit Musik, Kunst, Fotografie und Film und veranstalte den «Voodoo Rhythm Circus». Ich mache auch mit bei «Salon Morpheus», einer Theatergruppe, oder «Cabaret Bizarre», wo Kabarett und Horror vereint werden. Ich organisiere einfach sehr gerne Konzerte.

Sind deine Projekte vom Lockdown bedroht?
Da ich das alles hobbymäßig mache, bin ich finanziell nicht tangiert. Allerdings zahle ich meine Projekte aus eigener Tasche. Bisher musste ich nur wenig drauflegen, manchmal gab es sogar ein Plus. Wenn die Anlässe nicht stattfinden, liegen die Kosten alle auf meinen Schultern, ich trage das ganze Risiko. Konkret habe ich Material für Soundanlagen angeschafft und für meine Veranstaltung habe ich bereits Getränke gekauft, weil gerade Aktion war. Und jetzt bleibe ich auf all dem sitzen. In meinem Wohnzimmer stehen etwa 1000 Dosen Bier.

Wie könnte man den Kulturschaffenden helfen, die angewiesen sind auf bezahlte Kultur?
Die rückzahlbaren Kredite sind keine gute Lösung, die müssen ja irgendwie wieder zurückbezahlt werden. Wie soll das funktionieren? Die Kulturschaffenden können ja nicht doppelt so viel arbeiten. Jetzt soll der Staat für uns schauen. Die Bank konnten sie auch retten. Ich empfehle eine Umverteilung. Man könnte bei den ganz Reichen ein bisschen vom Vermögen abkappen.

Was hältst du vom bedingungslosen Grundeinkommen?
Bin ich sehr dafür! Und sechs Wochen Ferien und Vaterschaftsurlaub auch. Ich finde es wichtig, dass es eine soziale Grundbasis gibt für alle, damit wir in genau solchen Situationen wie dem Corona-Lockdown besser abgesichert sind. Wir sind im Jahr 2020 und können auf den Mond fliegen, aber wir schaffen es nicht, für alle zu sorgen. Das verstehe ich nicht.

Was kann man während dem Lockdown für die Kulturszene tun?
Crowdfunding. Ich bekomme jeden Tag eine ganze Reihe Links, die kulturelle Projekte unterstützen. Ich finde es gut, wenn die Kulturszene sich ein bisschen besser organisiert. Wenn wieder so etwas passiert wie jetzt sollen wir nicht wieder planlos dastehen. Vielleicht können wir etwas daraus lernen für die Zukunft.

Möchtest du noch etwas sagen?
Als Idee für die Kultur: statt fixe Eintrittspreise bezahlt jeder einen Preis, der an seinen persönlichen Stundenlohn geknüpft ist. Somit hätten von Studenten bis zu Anwälten alle ihren fairen Preis. Ah und wenn du Lust auf ein Bier hast: Ruf mich an!

 

Bildurheber: zVg

Kathrin Brunner

Kathrin Brunner

Autorin

Schöne Texte sind wie Schokolade. Man kriegt nie genug davon! Beim Brainstorm versuche ich mich selbst als Schreiberin…