Corona is over, Lockdown ist rum. Ich gehe stark davon aus, dass alle die „freie“ Zeit sinnvoll genutzt haben. Zum Beispiel, um für alte Leute einkaufen zu gehen. Oder eben, um eine Fremdsprache zu lernen. Wir schmücken uns gerne damit, die eine oder andere Lingua Franca schreiben oder sprechen zu können. Das macht sich halt gut im Curriculum Vitae (seht ihr? Ich bin auch nicht besser). Wer beim Spracherwerb aber nicht nur den Eigennutz befriedigen und die mittelfristige Langeweile besiegen will, der hätte mit seinem gelockdownten Lerneifer auch grad noch die soziale Teilhabe in unserer Gesellschaft auffrischen können. Zum Beispiel durch das Erlernen einer Gebärdensprache. Diese erlaubt Schwer- bis Garnicht-Hörenden die Kommunikation. 10.000 Menschen in der Schweiz sind gehörlos, in etwa genauso viele benutzen Gebärdensprache im Alltag – entsprechend können sich hierzulande also die Gehörlosen untereinander unterhalten, aber nicht mit der Mehrheitsgesellschaft. Verfestigt wird das Bild einer Randerscheinung dadurch, dass die Schweiz ihre drei Gebärdensprachen als eines der letzten europäischen Länder nicht auf nationaler Ebene anerkennt. Kurzum: Inklusion sieht anders aus. Deshalb: Gebärdensprache lernen jetzt! Wir Digital Natives sind sowieso dazu verdammt, irgendwann mal eine Gebärdensprache lernen zu müssen – oder glaubt ihr, jahrelanges Musikhören mit In-Ear-Kopfhörern auf voller Lautstärke wird sich nicht irgendwann rächen? Entweder wir machen uns von der Hörgeräte-Industrie abhängig oder wir ermächtigen uns rechtzeitig und lernen, uns zu gebärden. Wenn dereinst sowieso Handschläge und andere Berührungen aus Virenschiss nicht mehr en vogue sind, dann haben wir ja die Hände frei, unser Sprechen mit Gesten zu begleiten. Nein, schwierig ist das nicht. Andere, Heilpädagogen und Ärztinnen, schaffen das schliesslich auch. Bevor diese Kolumne nun aber allzu belehrend wird und der/die Lesende sich zurecht fragen darf, ob der Autor denn überhaupt das Wasser trinkt, das er predigt, muss eingeräumt werden: Nein, auch ich habe während des Lockdowns keine Gebärdensprache gelernt. Was nicht heissen soll, dass ich mich als designierter Bachelor of Communication nicht doch an der Verständigung der Völker beteiligt habe. Ich habe mir nämlich überlegt, dass ich am besten die gesellschaftliche Teilhabe bereichere, indem ich zumindest einen Teil meiner Kolumne inklusiv gestalte. Also habe ich den letzten Abschnitt dieses Texts in eine Gebärdensprache übersetzt. Vielleicht dient er als Anreiz, selbst eine Gebärdensprache zu lernen. Wer entziffert hat, was in dem Abschnitt steht, darf seine Zuschrift gerne an mich (@rutschmannn auf Twitter) senden.

Hände vor der Brust, Handflächen zeigen nach oben, Hände bewegen sich vertikal hin und her / Linker Daumen und Zeigefinger tippen zweimal zusammen / Beide Daumen und Zeigefinger zeigen in Pistolenform quer nach vorne, Hände machen eine schnelle Handbewegung nach hinten und dann nach vorne und aussen, wie beim Dirigieren oder Zaubern / Linker Zeigefinger tippt auf den Hals / Linke Hand flach quer auf die Brust / Linker Daumen und Zeigefinger tippen dreimal zusammen / Linke Hand als Faust, Handfläche zeigt nach vorne, wird wie zum Klopfen einmal nach vorne gezogen / Beide Daumen und Zeigefinger bilden ein „C“, werden vom geöffneten Mund weg- und wieder hingezogen / Linke Fingerspitzen streichen von vorne nach hinten über die linke untere Seite des Kinns / Linker Zeigefinger wackelt ablehnend hin und her / Hände vor der Brust überkreuzt, Zeigefinger ausgestreckt, Handgelenke bewegen sich nach vorne, Überkreuzung wird aufgelöst / Beide Daumen an den Kiefer, Zeigefinger ausgestreckt, Bewegung nach vorne / Linke Hand (Handfläche zeigt zur Seite) tippt zweimal auf die Fläche zwischen Lippen und Kinn.

Und wenn wir schon dabei sind: Ich bin gerne bereit, diese Kolumne auch als vorgelesenes Audio zur Verfügung zu stellen, um Blinden die Lektüre zu ermöglichen – vorausgesetzt, das erhöht mein Honorar für diesen Text.

 

Bildurheber: Joao Tzanno / unsplash.com

David Rutschmann

David Rutschmann

Kolumnist

Ich schreibe die Kolumne, für mehr hat es nicht gereicht. Der Brainstorm-Lohn finanziert meinen nächsten Bar-Besuch. Auf Kritik bitte verzichten, damit kann ich nicht umgehen.